Zeit lassen beim Futterwechsel

Rationsumstellung bei Kühen sollte gut durchdacht sein

In der Diskussion um eine wiederkäuergerechte Fütterung wird der Konstanz in der Ration seit jeher eine hohe Gewichtung zugesprochen. Vielen Landwirten fällt es dabei jedoch schwer die richtige Balance zwischen notwendiger und zu häufiger Rationsumstellung zu finden. Während die einen ihre Rationen aus Angst und Unwissenheit nie oder kaum umstellen, geben die anderen ihren Kühen auf der Suche nach der EINEN perfekten Ration nicht genügend Zeit zur Anpassung.

 

fodjan begibt sich auf Spurensuche

Der folgende Beitrag soll klären:

  • warum eine konstante Fütterung überhaupt ausschlaggebend für die Leistungsfähigkeit einer Herde ist
  • was es im Zusammenhang mit der Rationsumstellung zu beachten gilt
  • welcher Zeitraum für die Rationsumstellung benötigt wird

 

Keine Leistung ohne glückliche Mikroorganismen

Im Pansensaft einer Kuh leben pro Milliliter über 10 Milliarden Mikroorganismen. Bei einem Pansenvolumen von 100 Litern ergibt sich eine Zahl mit 15 Nullen. Zu den wichtigsten Vertretern im Pansen zählen die etwa 50 verschiedenen Bakterienarten, die einen entscheidenden Einfluss auf den Nährstoffumsatz des Tieres ausüben. Diese schwimmen jedoch nicht frei im Pansensaft, sondern hängen sich an die zur Verfügung stehenden Futterteilchen, um diese zu fermentieren. Da jeder dieser Mikroorganismen seine ganz spezielle Aufgabe in der Fermentation hat, hängt ihr Überleben stark voneinander und von den im Pansen zur Verfügung stehenden Nährstoffen – aufgenommen durch das Futter – ab.

Eine veränderte Futterzusammensetzung wirkt sich somit in hohem Maße auf die Zusammensetzung und Interaktion der Pansenmikroben und somit auf die Leistungsfähigkeit des Tieres (Bsp. Proteinsynthese) aus.

Aus physiologischer Sicht sind bei einer Rationsumstellung zudem die zottenartigen Auswüchse der Pansenwand zu berücksichtigen. Diese sind in der Lage die Aufnahmefläche der Schleimhaut um das 20fache zu vergrößern und dadurch die aus den Abbauprozessen der Mikroorganismen entstandenen Fettsäuren (Essig-, Propion- und Buttersäure) schneller und in einer höheren Anzahl zu resorbieren. Die Zottenentwicklung wird dabei maßgeblich durch die Konzentration der Fettsäuren beeinflusst. Eine veränderte Futterzusammensetzung ist somit stets mit einer veränderten Zottenqualität und –quantität verbunden.

 

Wieviel Zeit sollte bei einem Rationswechsel eingeplant werden?

Wissenschaftliche Studien gehen heute davon aus, dass die Anpassung der Pansenmikroben an die veränderte Rationszusammensetzung etwa 14 Tage in Anspruch nimmt. In dieser Zeit sollte die Futterumstellung schrittweise erfolgen. Ein kurzzeitiger Leistungsrückgang sollte dabei vom Landwirt durchaus hingenommen werden, ohne sofort das mögliche Potenzial der Ration zu hinterfragen.

 

Fütterungsumstellung bei Transitkühen

Die gleichen Prinzipien gelten auch für die Anfütterung von Transitkühen. Mit der Umstellung von der strukturreichen Trockensteherration auf die nährstoffreiche Frischmelkerration muss sich auch eine völlig andere Mikrobenpopulation aufbauen.

Deshalb sollten trockenstehende Kühe mindestens 14 Tage vor dem voraussichtlichen Kalbedatum auf die sich anschließende Ration umgestellt und mit Kraftfutter angefüttert werden. Wer seine Tiere erst mit dem Abkalben auf diese Fütterungsphase umstellt, riskiert – zur ohnehin bestehenden negativen Energiebilanz – zusätzliche Verzehrsdepressionen, die sich zu Stoffwechsel- und Fruchtbarkeitsstörungen ausweiten können.

Mit einer korrekten Anfütterung während der Transitphase werden jedoch nicht nur die Mikroorganismen, sondern auch die Pansenzotten vorbereitet. Dabei ist zu beobachten, dass sich sowohl die Zottenanzahl, als auch die Zottengröße mit abnehmenden Energiegehalt während des Trockenstehens reduziert.  In der sich anschließenden Anfütterung während der Transitphase vergrößert sich die Resorptionsfläche der Pansenzotten wiederum zunehmend – flüchtige Fettsäuren können leichter abgeführt und somit ein starker pH-Wert-Abfall durch die erhöhte Kraftfuttergabe in der Frischmelkerration vermieden werden. Ähnlich der Mikrobenpopulation benötigen auch die Zotten zwischen zwei und drei Wochen um sich wieder aufzubauen.

 

Zeit…

Entscheidend bei der Rationsumstellung ist es Ihren Tieren genügend Zeit für die Anpassung zu gewähren. Erwarten Sie in den ersten Tagen nach dem Wechsel keine Wunder, nehmen Sie die Anpassung Schritt für Schritt vor und beobachten Sie Ihre Tiere während dieser Zeit genau. Nach drei Wochen sollte der gewünschte Effekt der neuen Ration eingetreten sein, andernfalls ist eine erneute Prüfung der Futterzusammensetzung ratsam.

 


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Publiziert am 24. August 2017 um 9:12 Uhr

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